URBAN EXPLORER

July 7, 2014
URBAN EXPLORATION

In der aktuellen Ausgabe unseres Collectives stellen wir uns vor, wie ein Leben in kompletter Isolation von der Außenwelt aussähe. Die Zeit steht still. Das Leben geht weiter, ohne jeglichen Einfluss von dem, was drumherum passiert.

Es gibt wohl kaum eine bessere Art das Gefühl der kompletten Isolation und die Romantik verlassener Orte zu erfassen, als mit Urban Exploration. Es beschreibt die Erkundung verlassener und zumeist vernachlässigter urbaner Ruinen, die Geschichten von längst vergangenen Zeiten erzählen. Diese Orte bieten einen starken Kontrast zu der Hektik unserer modernen Städte

Wir wollten mehr über Urban Exploration erfahren und haben uns deshalb mit Greg aka. Banjo getroffen; einem der bekanntesten Urban Explorer in Großbritannien, der schon seit 2007 die verfallenen und vergessenen Stadtruinen dieser Welt erforscht, und, für uns weniger entdeckungslustigen Menschen, mit seinen inspirierenden Fotos dokumentiert.

Mein Kumpel Jason und ich sind Urban Explorer aus Birmingham. Wir wollen mit unseren Fotos Gebäude und Orte dokumentieren, die vielleicht bald für immer verloren sein werden. Diese Orte umfassen Militärruinen aus dem Zweiten Weltkrieg und Bunker, bis hin zu verlassenen Irrenanstalten und heruntergekommenen Industrieruinen. Man kann diese verlassenen Orte überall finden, oftmals dort wo man sie am wenigsten erwarten würde.

URBAN EXPLORATION

UO: Banjo, wann hat dich das Urban Exploration Fieber zum ersten Mal gepackt?

Banjo: Es ist schwer zu sagen, wann mich das Urban Exploration Fieber zum ersten Mal gepackt hat. Als Kind war ich immer sehr neugierig und habe mich oft mit Freunden in Orte hineingeschlichen, deren Zugang verboten war. Als ich älter wurde, wuchs mein Interesse an Fotografie. Mich haben diese vollkommen heruntergekommen Gebäude, die für so eine lange Zeit vernachlässigt wurden, einfach immer schon fasziniert.

URBAN EXPLORATION URBAN EXPLORATION URBAN EXPLORATION TEUFELSBERG US RADAR STATION, BERLIN

UO: Es muss ganz schön gruselig sein, in diesen alten Orten herumzugeistern. Bekommt du es manchmal mit der Angst zu tun, wenn du dich einem neuen Gebäude näherst? Hast du jemals versucht, die Flucht zu ergreifen?

B: Die Gebäude können sich unheimlich anfühlen, aber generell besteht keine Gefahr. Heutzutage mache ich mir eher einen Kopf über den Sicherheitsdienst und den ganzen Schrottdieben.

Einmal wurde mir jedoch mulmig, nämlich bei der Entdeckung eines alten Herrenhauses. Die einzige Möglichkeit in das Anwesen zu gelangen, war in der tiefsten Nacht hineinzuschleichen und in dem Gebäude bis zum Morgengrauen zu übernachten. Meine Entdeckungsreise began um 3 Uhr Morgens, an einem kalten Januarabend und führte mich über ein Feld und durch ein Fenster, über das ich letztendlich in das Gebäude gelang. Ich habe einen Schlafplatz im Keller des Gebäudes gefunden, wo es nützlicherweise keine Fenster gab, durch die das Licht meiner Taschenlampe mich auffliegen lassen hätte können. Ich kann dir versichern, dass ich nicht viel Schlaf in dieser Nacht bekommen habe. Die ganze Mühen hat sich aber auf jeden Fall gelohnt. Als der Morgen anbrach, habe ich mich gleich drauf und dran gemacht, dieses riesige, immer noch möbilierte, jedoch seit langem verlassene, Herrenhaus zu erkunden.

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UO:Es muss ziemlich abgefahren sein, zurückgelassene Habseligkeiten zu sehen? Kommen bei dir bei bestimmten Stücken jemals Emotionen auf?

B: Ich finde das absolut faszinierend, da alle diese Stücke von jemandem geliebt und wertgeschätzt wurden. Die Eigentümer haben sie aus welchen Gründen auch immer vergessen oder zurückgelassen. Manchmal gewähren mir Briefe und Fotos, die ich finde, einen Einblick in einen bestimmten Moment im Leben einer Person. Das gibt mir wirklich ein Gefühl für den Ort und den Menschen, die einmal hier gelebt haben.

URBAN EXPLORATION URBAN EXPLORATION URBAN EXPLORATION BERKYN MANOR (AKA. BULL MANOR, AKA. FURHOUSE) – BERKSHIRE

UO: Was war bisher der interessanteste Ort, den du jemals erkundet hast?

B: Es ist wirklich schwer einen bestimmten Ort zu wählen, aber wenn ich mich für einen entscheiden müsste, dann sind es die Beelitz Heilstätten in der Nähe von Berlin. Diese Kuranstalt war einst eine Irrenanstalt, bevor sie zu einem Militärkrankenhaus im Zweiten Weltkrieg umfunktioniert wurde. Die Vergangenheit an diesem Ort war absolut fassbar; sie zeigte sich in der ablätternden Wandfarbe und den Wandmalereien. Es war einfach faszinierend, die schiere Größe und die imposante Architektur von diesem Ort zu sehen. Obwohl wir zwei Tage damit verbracht haben, die Gebäude zu erkunden, hatte ich immer noch das Gefühl, dass wir nicht einmal die Hälfte gesehen haben. Ich würde super gerne wieder dorthin zurückgehen.

URBAN EXPLORATION URBAN EXPLORATION URBAN EXPLORATION BEELITZ-HEILSTÄTTEN (ASYLUM) – POTSDAM

UO: Gibt es Orte, die du unbedingt noch erkunden willst?

B: Jedes Wochenede schaue ich auf meine ellenlange Liste von Orten in Großbritannien, die ich noch erkunden will und diese Liste wird immer länger. Im Moment plane ich einen Rundtrip durch Frankreich und Belgien. Es wird eine zehntägige Reise in der ich einige Orte meiner noch längeren Europaliste abarbeiten will. Das ist was ich am Erkunden liebe, es gibt immer neue Orte zu erkunden, neue Dinge zu sehen und noch mehr Abenteuer zu erleben.

URBAN EXPLORATION URBAN EXPLORATION URBAN EXPLORATION GERARDS & ST EDWARDS, FATHER HUDSONS SOCIETY – COLESHILL

UO: Welchen Rat würdest du Leuten geben, die daran interessiert sind, ähnliche Orte zu erkunden?

B: Informiere dich! Finde so viel heraus wie möglich. Gibt es einen Sicherheitsdienst? Was wirst du womöglich dort auffinden? Was für ein Equipment wirst du brauchen?

Nimm besser einen Freund mit, denn alleine erkunden kann sehr gefährlich werden. Im Falle eines Unfalls oder wenn du in Gefahr geraten solltest, ist es gut, wenn jemand da ist, der dir helfen kann.

Zieh auf jeden Fall ein gutes Paar Stiefel an. Erst letzten Monat habe ich ganz zufällig ein Gebäude erkundet und trug dabei nur ein altes Paar Turnschuhe. Ich trat auf einen rostigen Nagel, der meinen Fuß durchbohrte. Ich habe sehr viel Blut verloren und durfte mir einen Trip ins Krankenhaus, eine Tetanusspritze, ein Paar Krücken und eine Menge Antbiotika leisten.

Sei auch mit dem ganzen rechtlichen Kram vertraut. Britische Gesetze sind sehr flexibel, wenn es um Urban Exploration geht. Hausfriedensbruch ist kein kriminieller Akt, solange du kein Eigentum beschädigst oder absichtlich etwas stiehlst. Wenn ich von der Polizei gefasst werde, erkläre ich denen meistens, was ich mache. Ich zeige ihnen Fotos und die fordern mich danach meistens nur auf, das Grundstück zu verlassen.


URBAN EXPLORATION URBAN EXPLORATION URBAN EXPLORATION HARPERS FITNESS – LEICESTER, LEICESTERSHIRE

UO: In welche Ära würdest du gerne zurückgehen, wenn du könntest? B: Ich würde gerne die 50s erleben; noch immer boomende industrielle Landschaften; der Art-Deco Stil und der Anstieg an spannenden neuen Technologien, wie das Radio und das Fernsehen. Es war sicherlich eine sehr interessante Zeit, die sich gelohnt hätte zu erkunden.

URBAN EXPLORATION URBAN EXPLORATION URBAN EXPLORATION DRAKELOW TUNNELS – KIDDERMINSTER